Pflanzenkläranlage in Vingst zu entdecken

Seit einigen Wochen kann eine 30 Quadratmeter große Pflanzenkläranlage auf dem Gelände des Kölner Bio-Bauer in Köln-Vingst besichtigt werden. Diese entstand als gemeinsames Projekt der dort angesiedelten Bio-Bildungslandschaft Vingst. Unter tatkräftiger Hilfe der Partner entstand das vier Mal acht Meter große Becken.

„Neben ihrer eigentlichen Nutzung besteht die Idee darin, dass die Anlage sowohl zur pädagogischen Bildung als auch zur Nachahmung zur Verfügung steht“, sagt Tommi Grusch, Koordinator der Bio-Bildungslandschaft.

„Die Anlage schafft bis zu 900 Liter Abwasser pro Tag“, berichtet Manfred Liesendahl, der als Konstrukteur den Bau der Pflanzenkläranlage begleitet hat. Der 70-Jährige aus Wermelskirchen begleitet sowohl national als auch international seit mehr als 30 Jahren Pflanzenkläranlagenprojekte.

Bei der biologischen Reinigungsstufe im Pflanzenklärbecken wird das Schilfbeet mit Hilfe einer PE-Folie bedeckt und dicht verschlossen. Dann füllt man die Folie mit einem vorab festgelegten Gemisch aus verschiedenen Kiesgrößen auf und bepflanzt diese letztendlich mit Schilf. Über Verteilerrohre durchfließt nun das Abwasser den bepflanzten Sandfilter. Das auf einer Beet-Sohle angesammelte und mittlerweile gereinigte Wasser wird über Drainrohre zum Ausgang geleitet. Die Reinigung des Abwassers findet zum einen durch Filtration im Beetkörper statt. Zum anderen nutzen Mikroorganismen die Abwasserinhaltstoffe als Nahrung. Die Mikroorganismen wachsen auf den Partikeln des Filterkörpers und den Wurzeln der Pflanzen. Einige Mikroorganismen beziehen über die Wurzeln der Sumpfpflanzen ausreichend Sauerstoff, so dass Abwasserinhaltsstoffe schnell abgebaut werden können. Dabei anfallende Stoffwechselprodukte werden von anderen Mikroorganismen aufgenommen, welche nur wenig oder keinen Sauerstoff benötigen bzw. vertragen. Insgesamt bildet sich im Pflanzenbeet eine komplexe Biozönose, d.h. eine Lebensgemeinschaft von Mikroorganismen, durch welche erst diese erstaunliche Reinigungsleistung ermöglicht wird. Ein erheblicher Teil des Kohlenstoffs wird von den Mikroorganismen zu Kohlendioxid gewandeltem, welcher in die Atmosphäre entweicht und bei der Photosynthese von u.a. den Sumpfpflanzen als Kohlenstoffquelle genutzt wird. Die, bei den Abbauprozessen durch Mikroorganismen freigesetzten Nährstoffe (Nitrat und Phosphat), werden von den Sumpfpflanzen aufgenommen. Die Pflanzen können aufgrund der hervorragenden Versorgung mit diesen Nährstoffen Höhen von bis zu 2,5 m erreichen.

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